
Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“
Unzählige Menschen auf der ganzen Welt beteiligen sich an dieser Aktion und möchten Kindern in ärmeren Ländern eine Freude machen. Diese Bereitschaft Kindern ein schönes Geschenk zum Weihnachtsfest zu ermöglichen, ist mehr als lobenswert und bei weitem keine Selbstverständlichkeit.
Wir möchten uns erlauben, mit diesem Schreiben einige Informationen zur Aktion zu geben, da diese in manchen Fällen zu wenig bekannt sind.
Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ wurde im deutschsprachigen Raum im Jahre 1996 gestartet und wird derzeit von der evangelikalen Vereinigung „Samaritan’s Purse“ koordiniert, die keinerlei Verbindungen zu einer offiziellen Kirche hat.
Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ zieht schon seit Jahrzehnten Kritik nach sich. Unsere Diözese distanziert sich in mehreren Schreiben ganz klar von diesem Projekt und ruft die Ortspriester dazu auf, keine kirchlichen Strukturen für diese Aktion zur Verfügung zu stellen. Auch die Diözesen München-Freising, Trier, Münster, Dresden-Meißen, Freiburg und Rottenburg-Stuttgart rufen in offiziellen Schreiben zum Boykott auf. Kritisiert werden mehrere Punkte:
- Die Aktion wird für die Mission missbraucht. In jeden abgegeben Karton werden von den Verantwortlichen Schriften, Flyer und Behelfe mit fundamentalistisch-christlichen Inhalten beigelegt und/oder bei der Geschenkausgabe verteilt. Dieser, im Comic-Stil verfasste Text, trägt den Titel „Das größte Geschenk“. In diesem wird unter anderem festgehalten, dass Jesus die einzige Rettung vor Sünde und Hölle ist. Vor allem in Krisengebieten mit religiösen Spannungen verschärft eine solche Aktion die aktuelle Situation. Die Diözese Bozen-Brixen hält dazu fest:
„Die Aktion richtet sich ausdrücklich auch an jene, die nicht Christen sind und somit das christliche Weihnachtsfest nicht feiern. Im Rahmen der weltweiten Aktion werden Geschenkkartone daher auch in Ländern verteilt, in denen mehrheitlich oder fast ausschließlich Buddhisten, Hindus oder Muslime leben, beispielsweise im Irak. Dabei kommt es immer wieder zu Konflikten. Viele christliche Kirchen und viele Angehörige anderer Religionen lehnen diese Verteilung von Weihnachtsgeschenken und die damit beabsichtigte Missionierung von Juden, Muslimen, Buddhisten und Hindus ab. Sie betrachten dieses Vorgehen als respektlos oder empfinden es als Provokation. Die Diözese Bozen Brixen lehnt Missionierungspraktiken ab, bei denen Geschenke für bedürftige Kinder als „Türöffner“ und Werbemittel für Missionsaktivitäten eingesetzt werden. Stattdessen fördert die Diözese Bozen-Brixen den Dialog der Religionen und ein konstruktives gemeinsames Engagement der Weltreligionen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.“
- Ein weiterer Kritikpunkt ist die Frage der Verbesserung der Lebensbedingungen notleidender Kinder. Zahlreiche Hilfsorganisationen plädieren dafür, die Wirtschaft vor Ort konkret zu unterstützen, anstatt Sachspenden zu verschicken. Auch diesbezüglich schreibt die Diözese Bozen-Brixen:
„Durch diese Aktion werden die Lebensbedingungen der Kinder in Not nicht verbessert – etwa die Ernährung, die medizinische Versorgung, die Wohnverhältnisse oder die Möglichkeiten, eine Schul- oder Berufsausbildung zu erhalten. Diese Aktion leistet daher keine nachhaltige Entwicklungshilfe für Kinder in Not. Auch die Wirtschaft in den Empfängerländern profitiert nicht von dieser Aktion. Der Erlös aus dem Verkauf der Geschenke kommt ausschließlich der Wirtschaft jener Länder zugute, aus denen die Kartone kommen. Zudem ist der weltweite Transport der Kartone über Tausende von Kilometern nicht nur mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden, sondern auch aus ökologischen Gründen problematisch. Weihnachten im Schuhkarton ist in erster Linie eine evangelikale Missionsaktion, die vor allem von Freikirchen getragen wird.“
Abschließend kann zusammengefasst gesagt werden, dass die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ keine nachhaltige Entwicklungshilfe und keine langfristige Verbesserung der Lebensbedingungen für notleidende Kinder bietet, sondern eine einmalige, punktuelle „Freude“ inklusive evangelikaler Mission ist.
Die Erzdiözese Wien drückt es am besten aus, wenn die Frage gestellt wird:
„Wer bei der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ mitmachen will, sollte sich der Frage stellen, ob er/sie mit seinem/ihrem sozialen Engagement Teil evangelikal geprägter Mission sein will.“
Freundliche Grüße
Südtirols Katholische Jugend
P.S.: Eine Alternative könnten folgende Aktionen sein:
– Geschenke mit Sinn der Südtiroler Caritas: https://caritas.bz.it/spenden/schenken-mit-sinn/alle-geschenke-im-ueberblick.html?tx_rolcadonationsponsorships_giftshop%5Baction%5D=list&tx_rolcadonationsponsorships_giftshop%5Bcontroller%5D=Giftshop&cHash=6f195e1812b03229ecfead4e62a95c42
– Aktion des Weißen Kreuzes Südtirol für Hilfe in der Ukraine:
https://www.weisseskreuz.bz.it/de/hilf-mit/spenden/helpforukraine–3-21.html
Quellen:
Diözese Bozen-Brixen: https://www.bz-bx.net/de/news/detail/weihnachten-im-schuhkarton—eine-umstrittene-missions–und-geschenkaktion.html
Und: https://www.bz-bx.net/fileadmin/Folium/1309_September_folium.pdf (S. 462-464)
Stellungnahmen anderer Diözesen:
Erzdiözese Wien: https://www.weltanschauungsfragen.at/weihnachten-im-schuhkarton
Erzdiözese München-Freising: https://www.weltanschauungsfragen.de/informationen/informationen-a-z/informationen-g/geschenke-der-hoffnung-e-v-berlin-heute-samaritans-purse-e-v/
Beigelegter Comic: https://www.die-samariter.org/fileadmin/sp/bestellshop/downloads/Weihnachten_im_Schuhkarton/Das_groesste_Geschenk_Weihnachten_im_Schuhkarton_digital.pdf

