Entweder, oder | ein Kommentar

Seit 1981 feiern die Vereinten Nationen (UNO) am 21. September den „Internationalen Tag des Friedens“. Erwünscht wären an diesem Tag Waffenstillstände und Gewaltlosigkeit. Doch in den zahlreichen Kriegsgebieten und Konfliktherden weltweit haben die Waffen nicht geruht. Dafür erregt dieser Anlass in der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit.

Gestern noch hat Papst Franziskus mit rund 500 Religionsvertreterinnen und -vertretern aus aller Welt in Assisi für den Frieden in der Welt gebetet. Die beeindruckenden Bilder und bewegenden Worte haben aber nur die wenigsten erreicht. Dass sich die Oberhäupter der vielen oft radikal verschiedenen Glaubensrichtungen gegenseitig umarmen und den Frieden wünschen, scheint in den Augen der Medien weniger interessant und für die Menschheit relevant zu sein als die bevorstehende Scheidung von Brad Pitt und Angelina Jolie, die Dopingtests rund um Alex Schwazer oder die Misses-Südtirol-Wahl. Der jüngste Luftangriff auf einen Transport von Hilfsgütern im vom Krieg geplagten Syrien hat es auf die Titelseiten geschafft, das Friedensgebet in Assisi hingegen nur auf die hinteren Seiten.

Würden wir die Zeitung immer noch kaufen, wenn die Schlagzeile dem Frieden gewidmet wäre? Wenn nicht (und genau das scheinen Redaktionen zu befürchten), müssen wir uns eingestehen, dass wir Krieg interessanter finden als Frieden, dass wir lieber unseren krankhaften Durst nach Drama und Unglück stillen als gemeinsam an einer besseren Welt zu arbeiten. „Der Friede ist eine Werkstatt, die allen offen steht, nicht nur Fachleuten, Gebildeten und Strategen. Der Friede ist eine universale Verantwortung: er verwirklicht sich durch Tausende kleiner Handlungen im täglichen Leben. Durch die Art ihres täglichen Zusammenlebens mit anderen entscheiden sich die Menschen für oder gegen den Frieden.“ Mit diesen Worten seines Vorgängers Johannes Paul II. fordert Papst Franziskus uns alle auf, unsere Verantwortung wahrzunehmen für eine Welt, der nach Frieden dürstet. Wenn wir nicht unseren Teil beitragen, wird es niemand an unserer Stelle tun.