Keine Angst vor der Angst

Ein Kommentar von Matteo Graiff

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Es ist wieder soweit. Aus dem Radio, Fernseher, Internet, Facebook, Twitter, aus den Zeitungen und unzähligen anderen Informationsquellen strömt die Angst wie eine unaufhaltsame Meeresflut in unser gewohnt ruhiges Alltagsleben. Sie packt uns am Hals und würgt uns, wir fühlen uns hilflos ausgeliefert. Und sie lacht uns dafür aus. Dafür, dass wir 1000 km von den jüngsten Anschlägen in Belgien entfernt bei strahlendem Frühlingswetter und keiner Spur von Gefahr in unseren Straßen Angst haben. Angst vor der Angst, Angst vor Gewalt, Schmerzen und Tod. Und dann ist da noch diese Ungewissheit, dass es jederzeit an jedem Ort wieder passieren könnte. Und dann vielleicht gerade dort, wo wir uns selber aufhalten, oder jemand, der uns viel bedeutet. Wir sind nirgendwo sicher, niemals.

Ich halte das nicht aus, dieses Unbehagen, das mir wie ein Schatten auf Schritt und Tritt folgen will, diese Brille, die mich hinter jeder fremd anmutenden Person eine Gefahr sehen lassen will, diesen Stress, der mich lähmt und wie ein Kaninchen vor der Schlange sitzen lässt. Wie aber diese Angst abschütteln? Wie sie überwinden? Ihr ihre Kraft nehmen? Ihren Griff lockern?

Vielleicht, indem ich ihr nicht alleine entgegen trete. Indem ich Menschen suche, die genauso Angst haben wie ich. Menschen, die sich vor Fremden fürchten. Und Fremde, die Angst vor misstrauischen Blicken, Hass und spontaner Gewalt haben. Ich suche ängstliche Menschen, um ihnen Mut zu machen, weil ich mir dadurch selber Mut mache. Weil Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst. Weil ich will, dass diese Angst aufhört, für alle. Deshalb will ich anfangen, mehr Mut als Angst zu haben. Mehr positive Gedanken als negative. Viel mehr Zuversicht als Misstrauen. Ich will mich öffnen und nicht verschließen, weil ich dann noch etwas ändern kann, und nicht schon verloren habe. Ich will daran glauben, dass es besser wird. Mein erster Schritt ist, diesen etwas naiven Gedanken mit dir zu teilen. Vielleicht aber ist das schon der Beginn einer neuen Wirklichkeit.