Menschen auf der Flucht

In den letzten Jahren haben aufflammende Konflikte immer mehr Menschen gezwungen, ihre Heimat fluchtartig zu verlassen und sich unter Lebensgefahr auf die Suche nach mehr Sicherheit zu machen. 2014 waren laut den Vereinten Nationen (UNO) weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht – das ist die größte Zahl, die jemals verzeichnet wurde und entspricht ungefähr der Einwohnerzahl Italiens!

Zum Schutz dieser Menschen wurde bereits 1951 ein „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“ formuliert. Laut diesem Abkommen sind Flüchtlinge Menschen, die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt werden.

Die jüngsten Flüchtlingswellen nach Europa sind vor allem durch zwei große Konflikte ausgelöst worden, die beide Anfang 2011 ausgebrochen sind, nämlich den Bürgerkriegen in Libyen und Syrien. In beiden Ländern haben Gewalt und Zerstörung Hunderttausenden das Leben gekostet und Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Um dem sicheren Tod zu entkommen, riskieren viele von ihnen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer, wo in den letzten Jahren bereits zehntausende Menschen ertrunken sind. Andere versuchen, über das Festland nach Europa zu gelangen, stoßen aber immer wieder auf Grenzzäune und Widerstand.

Krieg und Verfolgung sind natürlich nicht die einzigen Gründe, warum sich jemand flüchtet. Wenn Menschen aus anderen Gründen ihr Heimatland verlassen, beispielsweise weil es in einem wirtschaftlich benachteiligten Teil der Welt liegt, wo die Menschen an Hunger leiden, und sie sich auf die Suche nach einem besseren Leben machen wollen, dann spricht man von Migranten.

Auch wenn die zwei Kategorien „Flüchtlinge“ und „Migranten“ nicht immer ganz klar voneinander zu trennen sind, haben die Staaten das Bedürfnis, zwischen Schutzbedürftigen und „normalen“ Migranten zu unterscheiden. Grundsätzlich kann jeder Staat frei entscheiden, wer Zugang zu seinem Territorium erhält und wem er unter welchen Bedingungen Schutz gewährt. Eingeschränkt ist diese Freiheit nur durch das internationale Flüchtlingsrecht, zu dem auch das vorhin genannte Abkommen gehört. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die bereits 1948 von den Vereinten Nationen verkündet wurde, steht, dass jeder Mensch das Recht hat, in anderen Ländern Schutz vor Verfolgung zu suchen. Diesen Schutz nennt man Asyl. Allerdings bedeutet das Recht auf Asyl nicht, dass man automatisch auch Asyl erhält. Für jeden Menschen, der um Asyl bittet, muss eine eigens dafür vorgesehene Kommission entscheiden, ob diesem Menschen Asyl gewährt wird oder nicht. Während es für Migranten in den meisten Ländern eine maximale Zahl pro Jahr gibt, denen man die Einreise erlaubt, darf es bei Flüchtlingen laut internationalem Recht kein Limit geben.

Wie kommen Flüchtlinge nach Südtirol?

Die Flüchtlinge, die über das Mittelmeer oder auf anderen Wegen nach Italien kommen, werden zunächst registriert und dann vom Innenministerium in Rom auf das ganze Staatsgebiet verteilt. Südtirol hat im Zuge dieser Flüchtlingswellen insgesamt 2000 Flüchtlinge aufgenommen. Davon sind aber viele wieder weggezogen, meistens um zu versuchen, über den Brenner nach Norden zu gelangen. Aktuell sind deshalb nur 850 Flüchtlinge in Südtirol. Diese werden von der Caritas der Diözese Bozen-Brixen und vom Verein Volontarius betreut. Die Herkunftsländer dieser Menschen sind Afghanistan, Irak, Mali, Senegal, Nigeria, Eritrea und Bangladesch. Aus Syrien kommen zurzeit nur sehr wenige bis gar keine Menschen nach Italien.

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Welche Bedürfnisse haben diese Menschen?

Flüchtlinge suchen vor allem Frieden. Sie fliehen vor Krieg, Terror und Elend, in der Hoffnung, einen Platz zu finden, wo sie leben können, ohne ständig um ihr Leben bangen zu müssen. In Südtirol herrscht glücklicherweise Frieden. Trotzdem wird oft schlecht über Flüchtlinge geredet, wird ihnen misstraut und das Gefühl vermittelt, nicht willkommen zu sein. Aus diesem Grund fühlen sie sich oft sehr einsam und verlassen. Wenn Menschen aber versuchen, ihnen mit Vertrauen und Wohlwollen zu begegnen, werden sie merken, dass diese Menschen genauso wie sie Stärken und Schwächen, Interessen und Hobbies haben und viele Geschichten aus ihrem Leben erzählen können.

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Flüchtlinge in Bozen beim ausgelassenen Feiern  (c)Caritas Diözese Bozen-Brixen

Wie auch wir diese Menschen besser kennenlernen können, und was man gemeinsam alles unternehmen kann, das verraten wir Euch in den kommenden Wochen und Monaten. Wir werden viele verschiedene Ideen und Vorschläge zusammentragen und Euch über Facebook, die Homepage und verschiedene Printmedien zukommen lassen. Vielleicht ist ja etwas dabei, das Euch inspiriert. Wenn Ihr hingegen selber eine Idee habt, teilt sie mit uns, damit wir sie verbreiten können!